Herr R.
Leben und Therapie mit der Diagnose „Sudeck“ nach einem komplizierten Bruch des Handgelenkes

Herr R. ist 74jährig und wohnt mit seiner Frau in einem Einfamilienhaus. Er hat Kinder und Enkelkinder. Als diplomierter Gärtnermeister führte er im Berner Oberland einen eigenen Gärtnereibetrieb. Dort übernimmt er noch heute administrative Aufgaben und ist als Ausläufer behilflich.
Seine lebendigen Tätigkeitsfelder umfassen weiter die Gartenarbeiten rund um das Haus, Enkel hüten, täglich mit den 3 Labrador-Hunden spazierengehen und leidenschaftlich gerne jassen.

Herr R. stürzte vor 10 Monaten und zog sich dabei einen komplizierten Bruch des Handgelenkes zu. Diese wurde sofort reponiert und mit einem Unterarmgips ruhig gestellt. Nach 6 Wochen wurde mit der aktiven Mobilisation des Handgelenkes begonnen.

Herr R. litt unter Schmerzen bei allen Handgelenks- und Fingerbewegungen, die stark eingeschränkt waren. Der Handrücken und zunehmend die Finger waren geschwollen. Dies war der Grund, dass er einen Handchirurgen aufsuchte.

Zwei Monate nach seinem Unfall wurde er uns zur intensiven ergotherapeutischen Nachbehandlung überwiesen mit der Diagnose:

Algodystrophie – bekannt auch unter „Sudeck Syndrom“ - bei Malunion einer distalen, dislozierten, intraartikulären Radiusfraktur links
Hintergrundinformation: Ergotherapeutische Befunderhebung und Verlaufsdokumentation

Interview

Wie ist Ihre momentan Befindlichkeit?

Gut. Ich habe keine Schmerzen mehr, ich kann wieder schmerzfrei Gartenarbeiten verrichten.

Wie kam es zu Ihrem Unfall?

Ich fiel beim Pilze sammeln in ein gedecktes Loch. Ich merkte sofort, dass mit meinem Handgelenk etwas nicht stimmte. Mein Kollege fuhr mich ins Spital in Interlaken.

Was geschah dann?

Es war ein schlimmer Bruch, der Unterarm wurde eingegipst. Ich trug den Gips während 7 Wochen, dann erhielt ich eine Stützschiene. Die Hand war während der ganzen Zeit geschwollen. Bis anhin hatte ich nie Therapie gehabt.

Wie erfuhren Sie vom Krankheitsbild „Morbus Sudeck“?

Ich zeigte die Hand einem anderen Arzt. Dieser meinte das Handgelenk sei nicht optimal, eher verdreht zusammengewachsen und man erkenne einen „Sudeck“. Er erklärte mir, dass die Hand geschwollen bleiben würde, fest und steif würde und mit der Zeit nicht mehr einsetzbar wäre.

Wie fühlten Sie sich danach?

Ich war mit dieser Antwort nicht zufrieden. Ich ging zu einem Handchirurgen in Bern. Dieser stellte eine genaue Diagnose. Er verordnete 3 x wöchentlich Ergotherapie und 2 x wöchentlich Lymphdrainage an meinem Wohnort. Ich hatte ein gutes Gefühl.

Haben Sie gewusst was Ergotherapie ist?

Nein. Ich hatte noch nie zuvor davon gehört.

Hatten Sie sich im Voraus gedacht, dass die Nachbehandlung so intensiv sein würde?

Nein, ich war aber bereit dazu, 5 x in der Woche in die Therapie zu gehen. Ich spürte die Notwendigkeit und auch sehr rasch eine Veränderung.

Welche therapeutischen Massnahmen lernten Sie kennen und welche schätzten Sie?

  • Ich erhielt eine dynamische Beugeschiene für den Tag und eine dynamische Streckschiene für die Nacht.
  • Ich bekam einen Kompressionshandschuh gegen die Schwellung.
  • Sie gaben mir eine Knetmasse und instruierten mir ein Heimprogramm. Ich bekam einen Schwamm, den ich zu Hause im warmem Salzbad knete.
  • Meine Hand wurde regelmässig mobilisiert, Wachsbäder bereiteten sie darauf vor.

Die Schienen waren sehr gut, stabil konstruiert, ich konnte sogar damit schlafen ohne, dass sie sich verstellten. Ich wurde gut damit betreut. Auch die Wärme der Wachsbäder in Kombination mit dem Durchbewegen der Gelenke ist sehr wohltuend. Deshalb komme ich auch heute noch in die Therapie.

Welche Erwartungen hatten Sie? Wurden sie erfüllt?

Zuerst wollte ich, dass es wieder so kommt wie vorher. Ich merkte jedoch, dass es wegen der knöchernen Versteifung im Handgelenk nicht gleich kommen würde. Bezüglich Fingerbeweglichkeit habe ich ziemlich viel erreicht.

Wurden bis anhin gewisse Erwartungen an die Ergotherapie nicht erfüllt?

Nein, ich fühlte mich sehr gut betreut. Mir ist es ein grosses Anliegen, dass die Mobilisation der Gelenke in der Ergotherapie weitergeführt wird.

Welche Ziele möchten Sie noch erreichen?

Ich möchte die Fingerbeweglichkeit noch verbessern und weiter stabilisieren. Ich möchte auch eine bessere Handgelenksbeweglichkeit. Ich wäre bereit für eine Handgelenksoperation. Auch das viele Reisen nach Bern in die Therapie würde ich gerne auf mich nehmen.

Herzlichen Dank, dass sie uns durch dieses Gespräch ermöglicht haben, das Thema Sudeck aus einer ganz persönlichen Perspektive zu betrachten.